Mitgefühl

Aus buddhistischer Perspektive ist Mitgefühl gekoppelt an drei andere heilsame Haltungen: Wohlwollen, Gleichmut /Gelassenheit und Mitfreude. Erst wenn diese „vier heilenden Haltungen“ (Wetzel 2014, S. 76ff) miteinander schwingen, kann sich jeder Aspekt davon frei entfalten. Die vier Aspekte gleichen sich gegenseitig aus: Wenn Mitgefühl ins Mitleid kippt, benötigen wir Gleichmut und Mitfreude zum Ausgleich. Wenn sich Gleichmut in Gleichgültigkeit verkehrt, ist es das Mitgefühl, das für Ausgleich sorgt. Sind es Überschwänglichkeit und Anhaften, die uns betreffen, so benötigen wir Gleichmut.
Um dies zu ermöglichen, können wir alle vier Aspekte kultivieren, in formeller Praxis (z.B. Meditation) aber auch informell, indem wir z.B. Gelassenheit im Alltag einüben.

Rose mit Marienkäfer

Eine Möglichkeit, diese heilsamen Haltungen zu kultivieren, ist ein 8-Wochen-Kurs „Achtsames Selbstmitgefühl – Mindful Self Compassion (MSC)“. Dort werden einerseits formelle Übungen angeboten, die z.B. Mitgefühl oder Gelassenheit ermöglichen, andererseits trachten wir im Alltag eine (informelle) Praxis zu etablieren, die z.B. von Helfenden im Kontakt mit einem Patienten („Leidenden“) oder Schutzbefohlenen unmittelbar angewandt werden kann. Diese Übungen und Haltungen sind hilfreich, um nicht selbst vom Mitgefühl ins Mitleiden oder in Fürsorgemüdigkeit zu geraten. So bleiben die Helfenden handlungsfähig und brauchen nicht abzustumpfen oder auszubrennen.
Mitgefühl ist vor allem auch von Empathie zu unterscheiden. Siehe dazu auch den Beitrag in unserem Blog: Das Gute in uns.

Zum Weiterlesen:
Silvia Wetzen: Achtsamkeit und Mitgefühl. Mut zur Muße statt Hektik und Burnout. Stuttgart 2014.
Matthieu Ricard: Von der Empathie zum Mitgefühl in einem neurowissenschaftlichen Labor. Aus: Allumfassende Nächstenliebe: Altruismus – Die Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit. 2016.