
Unter dem Motto „Sich ins neue Jahr hineinschreiben“ versammelten sich am 24. Jänner 2026 ein Dutzend Menschen, um sich dem geschriebenen Wort zu widmen.
Bei dieser Gelegenheit sind eine Reihe von Texten sind entstanden, manche davon haben uns die AutorInnen zur Verfügung gestellt.
Wir danken den AutorInnen für ihre Beiträge und weisen darauf hin, dass am 28. März 2026 im Oberhofer Museum wieder ein Schreibseminar stattfinden wird, diesmal ganztags.
Weil ich immer will —heiße ich Wolle !
Komme was wolle —ich will !
Will verstrickt, eingefädelt, verwebt, vernäht, oder auch verstickt sein.
Ich will nützlich sein, wärmend, aber auch dekorativ.
Verbundenheit ist mein Wesenskern, danach strebe ich täglich.
Im Winter findest mich häufig auf vier Nadeln,
und eine Fünfte, sofern sie nicht gerade irgendwo verlegt ist,
bildet Masche um Masche.
Immer neue Maschen entstehen,
rundherum muss es gehen,
bunt soll es sein,
Freunde mit allerlei Farben werden eingestrickt —
Das lass ich gerne geschehen!
Zusammen ist man weniger allein!
So liege ich rund ums Jahr, bereit hier im Korb,
werde im Frühjahr und Sommer ein bisschen sozusagen in Ruhe gelassen
—bis— ja —bis dann der Herbst kommt…
Dann —ja dann, gibt’s nämlich keine ruhige Minute mehr.
ich werde neu sortiert, begutachtet und aufgewickelt.
Neugierig bin ich schon—
was nun wieder wohlwollend aus mir werden wird !!!
aDELe
Das eigentlich schickste Klemmbrett
Ich bin das eigentlich schickste Klemmbrett von Sabine und ich kann oder muss behaupten, ihr täglicher Begleiter zu sein.
Sie braucht mich, um halbwegs am Radar zu haben, was sie alles zu tun hat, an wen sie denken soll und will, welche Bücher sie lesen will, was sie alles Interessantes gehört, gelesen hat und wo sie sich weiter interessieren will.
Ich bin ihr wichtig und das ist auch mir wichtig, dafür bin ich ja da.
Aber: Muss sie denn Papier verwenden, das auf der Hinterseite schon bedruckt ist?
Muss sie ihre Fresszettel einklemmen?
Muss sie an mir Papier sparen?
Warum geht nichts weiter?
Warum werde ich dicker und dicker und immer unübersichtlicher?
Ich mag das nicht, ich will schöner sein, übersichtlicher, am neuesten Stand gefälligst. Gefälligst, ja, denn es geht mir auf die Nerven, ihr auf die Nerven zu gehen…
Sie tut mir leid, sie strengt sich wirklich an, und doch, ich meine es gut mit ihr.
Ich schlage ihr vor, dass sie mich neu bestückt, mit frischem Papier. Ich verstehe schon, ihr Papa hat unter anderem mit Altpapier gehandelt, aber ich finde, sie sollte sich neues Papier gönnen. Ist ja lächerlich. Und sie sollte sich etwas mehr Zeit nehmen, um nur Aktuelles aufzuschreiben, das sie in kurzer Zeit händeln kann. Das würde mich erleichtern, das würde mir Sinn machen.
Und ich glaube, das würde Sabine gut tun. Wenn ich mir das vorstelle, dann kommt mir vor,ich könnte besser atmen. Sabine könnte besser atmen. Wir wären zusammen am Tisch, auf den die Sonne scheint.
Autorin: Sabine
Gebrauchsanweisung für das „Jahrespaket 2026“ von K.T.
Nach Inbetriebnahme sind folgende Anweisungen und Punkte zu beachten
1. Das Leben ist jetzt.
2. Verschraube vor Inbetriebnahme folgende Teile miteinander (siehe Abbildung)
Innenschraube „Intuition“
mit Filter „Achtsamkeit“
im Gehäuse „Leibseele“Zahnrad v) Vertrauen
mit Zahnrad i) Initiative
und Zahnrad c) Creativität3. Erst dann das Kabel anschließen, das eingerollt im Behälter „Schlaf“ liegt.
Wahlweise mit dem Kabellosen Zugang „Narrenkastl“ oder „Deep Rest“ zu verwenden um Energie zuzuführen.4. Es wird empfohlen regelmäßig zu entkalken, damit sich nicht zu viel AÄ (alte Ängste) ansammeln, die den Betrieb erheblich beeinträchtigen können.
Zur Reinigung mit einer ausreichenden Menge Tränen durchspülen. Das Gerät erlaubt die Verwendung von Lach-, Verzweiflungs- und Müdigkeits-Tränen.
5. Es wird empfohlen alle paar Wochen in die Öffnungen A und O (Augen und Ohren) eine ausreichende Menge (max. 3 Esslöffel) Ku&Ku (Kunst und Kultur) einzufüllen um ein Ausbrennen der Zahnräder zu vermeiden.
6. Die Inbetriebnahme ist erprobt.
Eine Garantie wird gewährleistet.
Alle Reperaturen kosten etwas, egal wodurch sie verursacht werden.
Die 1968 gegründete, international tätige Jahresfirma wünscht viel Freude mit diesem neuen Gerät 2026.
Autorin: K.T.
EIN GEGENSTAND VOM LETZTEN JAHR der mich begleitet hat (Veronika Seeber)
Ich bin ein Sammelsurium von Farbstiften. und liege seit unendlich langer Zeit in der gleichen blauen Stofftasche, manchmal nach Farben sortiert mit Gummiringerl umwickelt. Wie war es die letzten zwölf Monate ? Meistens liege ich parat neben dem Eßtisch. Meistens…. manchmal liege ich ganz vergraben irgedwo zwischen Zeitungen, Zetteln, Büchern, oder ich ganz brav verstaut in dem Schrank mit ganz vielen Malsachen , Ölkreiden, Nassstiften, Wasserfarben in mehreren Schachteln, Klebestreifen und so weiter.
Ja vor einem Jahr da wars sehr lebhabt, ich wurde sehr oft gebraucht, gespitzt, sei es nur für eine kleine Farbstudie. Im wenn ich das Licht des Tages oder Lampe erblicken kann freuen sich alle Minen von hinten bis vorne. Ich tanze fast wie von selbst über die Zeichenblätter, die Stunden vergehen so schnell dabei. Es entstehen Landschaften, Blüten, Bögen, Figuren, Farbgeschichten……
Neue Räume und Dimensionen. Ausradiert werde ich nur ganz selten,( da bin ich froh), eher schon übermalt. Manchmal werde ich ganz blass, zart und vorsichtig aufs Papier gebracht, das meist weiß ist Es ist ganz aufregend anders wenn der Untergrund schwarz, blau oder rot ist z.B..
Sogar bei Aquarellbildern werde ich manchmal noch dazugebraucht, da eine Linie, dort schraffieren verdichten, betonen. Licht und Schatten, Fantastisches. Alles , fast alles ist durch uns möglich, Magie – Schöpfung – Neuwerdung.
ALPHABETH DER KRAFTQUELLEN
Z äune: entweder überspringen Gatter suchen, abbauen
Y akwollsocken vom EZA Laden, sie wärmen Zehen, Füße und Herz.
X ylophon,Klangschalen, Koshi egal was, laß es klingen
W eitergehen oder stehen bleiben, je nach dem.
V erletzklichkeit in warme Kräutertücher packen.
U ngesundes vermeiden: z. B. grantige Leute, rohe Radiergummi, Ziegel am Kopf…
T ragbarkeit prüfen bevor du’s aufhebst.besser in kleinen Stücken.
S ingen, Süßes und Schönes tut gut, saudummes, stinkiges,schwarzes eher weniger.
R inge aus Gold und Silber schmücken dich, Ringe unter den Augen: Überschminken, Vermeiden.
Qu Quasseln
P Pointen
O lala Effekte
N eckerein, Narreteien mit neckischen närrischen Menschen in neckischen närrischen Stunden.
M alen mögen
L oben zieht nach oben,
K upfersalbe auf die Nieren und Fußsohlen, wärmt und Stärkt ungemein.
J ung bleiben in Seele und Geist.
I nseln von Wohlsein im Alltag
H eiterkeit
G ähnen und Strecken
F ertig werden mit Dingen die man sich vorgenommen hatte.
E selsbrücken über Gedächtnislücken,
D aseinsgeschenke empfangen
C hinesische Küche hin und wieder
B ereitsein für Unerwartetes
A nlegestellen in schönen Landschaften
Autorin: Veronika Seeber
Ein Kreuz und zehn Perlen
Susanne Jäger
Am Haken hängen
und dort
den Halt verlieren.
Sich auflösen.
Das Irdische
nach und nach
hinter sich
lassen.
Nicht mehr durchhalten.
Stundenlang dasitzen
und
manchmal schon
in andere Welten
hinüberschaun.