Pflanzen, jäten und ernten.

(Lesezeit: 3 Minuten)

Szenen aus dem Garten
Szene 1 – Mein erster Weg am Morgen
Im Sommer führt mich mein erster Weg morgens barfuß in den Garten: einfach nur schauen, was über Nacht gewachsen ist. Ich spüre das kühle nasse Gras unter mir und wenn ich am Muskatellersalbei streife, duftet es herb-süß. Die Welt sagt mir Guten Morgen. Welch ein Glück. 
Szene 2 – Jäten, Jäten, Jäten
Ich hocke am Zwiebelbeet und der Schweiß rinnt mir unter dem Sonnenhut in die Augen. Es ist heiß. Das Jäten duldet keinen Aufschub mehr. Wenn ich noch länger warte, überwuchern Vogelmiere, Melde und Franzosenkraut alles und es geht uns wie im letzten Jahr: die Zwiebel ersticken unter dem Beikraut.

Szene 3 – Erste Ernte
Martin und ich sitzen beim Mittagessen. Vor uns ein herrlich buntes Gemüseallerleih. Alles auf unseren Tellern ist selbst gepflanzt. Wir haben heute zum ersten Mal Ofenkartoffeln aus dem eigenen Garten mit dabei. Ein Genuss!

Szene 4 – Mitgefühl
Wir sitzen auf unserer überdachten Terrasse und schauen mit bangem Blick in den Himmel. Wir lauschen: Ist das Hagel oder sind es große Regentropfen, die auf das Terrassendach prasseln? Wird es uns erwischen? In diesem Moment bin ich voller Mitgefühl mit den Bauern, die von ihrem Ertrag leben müssen. Eine halbe Stunde später: diesmal wurden wir verschont. Die wenigen Hagelkörner, die den Garten getroffen haben, waren klein und haben keinen Schaden angerichtet. Beim letzten Mal, vor 3 Wochen, haben die Eiskörner alles durchlöchert. Aber die Früchte waren noch klein und der Schaden hielt sich in Grenzen.

Martin und ich verbringen seit Wochen viel Zeit im Garten. Wir hegen und pflegen unsere Gemüsebeete. Auch die Blumen zwischen den „Nutzpflanzen“ bekommen einen guten Platz. Sie laden ein, auf dieses Wunder, das sich jedes Jahr neu vor unseren Augen und Herzen entfaltet, mit Staunen und Dankbarkeit zu schauen, auch die pure Schönheit ohne tieferen „Zweck“ anzuerkennen und zu beachten. 

Unser Beitrag zu diesem Wunder besteht z.B. darin, eine Auswahl zu treffen, welchen Lebewesen wir in unserer Nähe Raum geben: Was pflanzen wir und was jäten wir aus. Wo greifen wir ein? Wo lassen wir dem Leben seinen Lauf?

Da wachsen nicht nur Zucchini, Bohnen, Kartoffeln, Beeren und Salat, sondern unter der Erde tun sich auch die Wühlmäuse gütlich und vermehren sich munter. Diese versetzen wiederum unseren Kater in Jagdfieber (und Martin und mich manchmal auch in Frust). Bienen, Libellen, Erdflöhe, ein Hausrotschwanz, Schwärme von Spatzen, Beikräuter, ein Igel und bunte Blüten sind unsere Nachbarn und wir versuchen, gedeihlich miteinander auszukommen. Kürzlich hatten wir hohen Besuch: ein Reh beehrte unser Salatbeet und fand es unwiderstehlich. Seither glitzern Spiegel an hohen Stangen auf den Beeten und vorübergehend hat auch eine Vogelscheuche die Kartoffeln bewacht.

Wir lernen jedes Jahr dazu. Heuer steht auf der Reflexionsliste: „Kartoffelreihen weiter auseinander!“, damit man besser jäten und anhäufeln kann. 
Letztes Jahr haben wir zu vielen Pflanzen in vermeintlicher Großzügigkeit Platz eingeräumt und zu wenig gejätet. Das war wild und schön und weniger „Arbeit“ aber auch deutlich weniger Ernte. 

Unser Garten ist unser Projekt, das uns fordert und nährt. Es ist und bleibt eine Aufgabe, mit diesem geteilten Lebensraum achtsam umzugehen.
Und wie im Garten so ergeht es uns im Alltag: Es ist wesentlich wohin ich meine Aufmerksamkeit lenke und ob ich das Wahrgenommene bewerte: Beikraut oder Unkraut? Schmarotzer oder Helfer? Schädling oder Nachbar?

Wohin richtest du deine Aufmerksamkeit?
Wie baust du Achtsamkeit im Alltag ein?
Gelingt es dir manchmal wahrzunehmen, was ist, während es ist, ohne zu bewerten?

Wir laden dich ein, gemeinsam in Achtsamkeit Zeit zu verbringen und diese Haltung des Seins einzuüben. 
Angebote dazu findest du unter der Rubrik „Termine & Anmeldung“